Hundejugend einfühlsam angeleitet Teil I – spannende Jagdgeschichten

Zwei kleine liebe Kerle, sechs Monate alt, hausen in meinem Zwinger, frech, munter und aufgeweckt. Eben vollführen sie einen Heidenspektakel, bellen, dass die Wände zittern und die Hühner Kopf über Hals nach dem Hühnerhaus flüchten, wie wenn jemand mit der Peitsche hinterherjagt. Ich wundere mich darüber nicht, denn der alte Gockel und manche von seinen Damen haben mit diesen frechen Gesellen schon recht unliebsame Bekanntschaft gemacht, wovon die zerzausten Gewänder und fehlenden Stoßfedern ein sehr beredtes Zeugnis abgeben. Also was ist los?

Ich eile hin, leise, behutsam auf den Zehenspitzen, um verstohlen durch ein Astloch der Bretterwand zu gucken, die meine Lieblinge von der Außenwelt abschließt. Aber wie so oft, so komme ich auch jetzt wieder zu spät, denn der Aufmerksamkeit dieser Rakker war es nicht entgangen, dass da jemand angeschlichen kam, um zu spekulieren, und zwei Näschen spielen im Winde in der Richtung, in der ich mich befinde.

Nun ich an der Zwingertür stehe, betteln die beiden Buben, indem siefortwährend daran hochspringen, und ein Blick ins Innere belehrt mich, dass sie den alten „Bill”, der behaglich in seiner Hütte liegt und an einem Knochen herumknabbert, um des letzteren willen anbellten. Na, ihr zwei Spektakelmacher, was gibt es denn schon wieder? Marsch in die Hütte! Weg sind sie!

Futterneid! – So lange die beiden Kerle noch ganz klein waren, fraßen sie aus einer Schüssel, fraßen tüchtig, fraßen um die Wette. Nun ist es aber anders geworden. Jeder hat seinen Napf, wer am besten Laut gibt, wenn das Futter kommt, erhält seine Ration zuerst, der eine links, der andere rechts, und wer seine Schüssel ausgeleckt, hat in der Hütte zu verschwinden. Natürlich erfordert das Aufsicht, denn würde man die Hunde allein lassen, gebe es nur eine wüste Balgerei und ein gegenseitiges Futterwegfressen. Die Aufsicht erfordert ja nur einige Minuten und übt einen außerordentlich erzieherischen Einfluss auf die Jugend aus, weil die genau weiß:

jetzt heißt es parieren. Und die Gewohnheit bringt es mit sich, dass, sobald das Futter ankommt, Fritz in der linken, Tom in der rechten Zwingerecke steht und beide mit schelmisch-neidvollen Blicken der Dinge harren, die da kommen sollen, und laut Hals die Ankunft des Futters begrüßen. Und das macht mir Spaß und Vergnügen, und unbekümmert um die, welche solche Erziehung als „Unsinn” bezeichnen, fahre ich damit fort, weil dadurch verschiedene Grundlagen geschaffen werden, die für die Zukunft dieser Hundejünglinge von außerordentlichem Nutzen sind. Neben der ungebundenen Freiheit – Appellübungen, erstens die Anfänge zur Folgsamkeit und zweitens die mühelose Anregung, von ihrem Hals so viel wie möglich Gebrauch zu machen, was mich später der Notwendigkeit überhebt, ihnen diese schätzenswerten Tugenden in der Abgeschlossenheit der Folterkammer, pardon, ich wollte sagen im „Dressurraum”, mit Korallen und Knüppel einzubläuen. Also mache ich den Unsinn weiter, eingedenk dessen, dass ja jeder nach seiner Fasson selig werden kann! Und siehe da, die Kerle entwickeln sich zu meiner Freude brillant und zeigen Anlagen, die mich mit großen Hoffnungen erfüllen.

Aber was wollt ihr denn? Warum bettelt ihr?
Gib Laut, Fritz! So brav, mein Hund! Na, Tom? Laut, immer mehr, noch mehr! So war recht, mein Stromer! Aber natürlich hab’ ich etwas – hier, Fritz! Tom, komm her! Gib Laut! Nochmal! So recht! Hier hast du, brav, mein Hund!

Ja, das sind zwei kleine Leckermäuler, und ich bin froh, dass sie so gerne Zucker fressen, weil man diesen so bequem bei sich führen kann.

So, jetzt in die Hütte! In einer Stunde geht’s hinaus, und da könnt ihr euch wieder austollen.

Setzen! Artig, Fritz! Setz dich! So recht!

Tom, hast du einen Knochen verschluckt, dass du dich nicht setzen kannst?
Setzen! Setzen! Siehst du, wenn man mit der Hand etwas nachhilft, dann geht’s. So, nun wollen wir aber das Gleiche noch einmal versuchen. Setz dich! Na also, wer sagt’s denn, dass es nicht geht? So brav, mein Hund!

Oho! Nur gemach, ihr sollt mich nicht im Galopp zum Hofe hinausziehen! Laaaangsaaam! Nur die Ruhe kann es bringen, meine Lieben. Nur keine Überstürzung, wir kommen schon noch zum Tore hinaus.

Ihr unbändige, kleine Gesellschaft, – na, denn immer los!

Fritz überrennt den Tom. Himmeldonnerwetter, dass dem kleinen Kerl nicht alle Knochen im Leibe krachen! Aber bange machen gilt nicht, Tom ist Fritz schon wieder auf den Hacken, und jiffjaff fliegen sie über die Felder, einer dem ändern nach.

Wau, wau, wau, wau – hahaha! – auf Wiedersehen, Fritz und Tom; nun geht’s aber hinter einem Krummen her. Ein alter, gerissener Löffelmann! Zum Lachen, wie er sein Männchen macht und mit der Blume wippt! Ja, Lampe, da sind noch feine Stimmchen, noch kein bärbeißiges „Rawau” mit Klaftersprung! Vor diesen Kerlchen bangt dir nicht. Die Gesellschaft verschwindet hinter einer Bodenwelle.

Was machen? Ah, ein Gedanke! Schnell dort hinein in die Remise, nun mögen die kleinen Kerle zusehen, wie sie sich zurechtfinden.

So! Fünf Minuten, acht Minuten, eben kommen beide angesprungen. Fritz äugt umher, Tom sucht mit der Nase am Boden herum. Der Wind steht von den Hunden auf mich zu, das ist gut, wäre es umgekehrt, würden die Racker mein Versteck schnell ausfindig machen.

Fritz rast auf der Hasenspur weiter, Tom ist bereits auf meiner Fährte. Eben arbeitet er ganz regelrecht den Widergang aus, den ich mit Absicht gemacht habe.

Ei, brav, mein Hund, so brav, Tom! Wie er sich freut, der Kerl. Ja, ja, s’ist gut, mein Hund! Naja, ich weiß ja, dass du mich lieb hast. Komm, setz dich jetzt einmal ganz ruhig neben mich! Aber ganz ruhig, damit wir uns dem Fritz nicht verraten. Siehst du, dort ist er ja, der Dummkopf! Sieh’ nur, wie er uns sucht! Ah, jetzt ist er aber auf der richtigen Fährte. Die Nase am Boden, sucht er einige Gänge vorwärts, aber nicht lange, denn schon äugt er wieder ins Endlose. Ja, er will uns absolut mit den Augen finden, aber damit soll er kein Glück haben. Wir haben ja Zeit zum Warten. Warum auch nicht, wir versäumen ja nichts.

Tom, ruuuuuhig! Eben kommt aber Fritz angesaust; die Nase auf dem Boden, arbeitet er in voller Fahrt auf uns zu.

Hallo, den Haken hat er überschossen, schon ist er darüber hinaus, und wieder suchen die Augen in der Ferne, den Herrn zu erspähen. So, nun hat er sich korrigiert; ei, wie er jetzt auf uns zukommt.

Wir drücken uns ganz platt auf den Boden, gedeckt durch dichtes Brombeergeranke.

Ssssssst, saust er an uns vorbei, eben bekommt er Wind und macht Kehrt! Ja, jetzt schwänzelt unser Dummerchen. Ei, Fritz, so lange hast du gebraucht, uns zu Zeichnung: Klaus Urbschat finden?

Ja, ja, gib dich nur zufrieden, du bist auch brav, natürlich! Herrgott, Hunde, ihr bringt mich ja um mit eurer Zärtlichkeit! Nur ruhig, ihr Kerle, Fritz – ruhig, du sollst mich ja nicht verbellen. Kommt, lasst uns weiter gehen. Aber nun einmal schön an der Leine.

Tom, aufgepaßt! Fritz, ruhig! 0 ihr quecksilberigen Dinger! Einen Sack Flöhe kann man ja leichter hüten als euch.

Nur ruhig, lasst das Häschen nur laufen!

Tom! Kerl, du reißt dir ja den Kopf ab! Fritz, ei der tau-send, ist das so aufregend? Ja, meinetwegen gebt Laut, ihr Schreihälse, wenn es euch Spaß macht.

Aber nun Schluss! Setzen! Hier her! Nein, Tom, du sollst dich nicht immer umdrehen, du sollst nach mir sehen! Tom! Tom! Pfui Has’! Schön sitzen! So brav! Damit ihr aber auf andere Gedanken kommt, wollen wir lieber entgegengesetzt weiter gehen! Tom, du bist ein ganz verrückter Kerl, du tanzt ja an der Leine herum, wie wenn du von der Tarantel gestochen worden wärst! Natürlich, Fritz muss alles nachmachen, warum auch nicht? Ruuuuhe! Kommt, lasst uns hier auf dem Rain ein paar Minuten Rast machen! Ihr könnt ein Stückchen Zucker lecken, ich aber werde mir eine Zigarette zu Gemüte führen!

So, nun liegt die übermütige Bande im Grase, aber von wegen Ruhe geben – keine Spur. Und doch ein paar prächtige Kerlchen, mein ein und alles! Hei, wie sie mich mit ihren klugen Augen beobachten, die vor Übermut sprühen. Ja, das sind so geborene Hetzteufel, und ich muss unwillkürlich darüber nachdenken, was wohl aus diesen Rangen werden würde, wenn ich sie noch weitere fünf, sechs Monate so ungezwungen aufwachsen ließe, als ihren Lebenszweck nur das eine im Auge behaltend – hetzen, hetzen und wieder hetzen!

Hundejugend einfühlsam angeleitet Teil II – spannende Jagdgeschichten