Hundejugend einfühlsam angeleitet Teil II – spannende Jagdgeschichten

Hundejugend einfühlsam angeleitet Teil I – spannende Jagdgeschichten

Ja, der Teufel, was sollen sie denn nicht alles durch das Hetzen lernen? Man behauptet 1. die weite, geräumige Suche; 2. das sichere Spurhalten und 3. den Unterschied zwischen gesunden und kranken Hasen; es soll ihnen daraus die Gewissheit werden, dass sie „niemals” in die Lage kommen, einen gesunden Hasen zu greifen.

Brrrr, grau ist alle Theorie! Die Praxis lehrt ganz anderes, und mein Nico hätte sich im vergangenen Jahre einen Ast gelacht, würde sein kluger Hundeschädel dies zu erfassen imstande gewesen sein. 0 nein, er machte es ganz, ganz anders. Er hetzte die Hasen, bis er sich selbige um die Behänge schlagen konnte. Aber nicht die beschossenen, nein, in der Schonzeit ist dazu keine Gelegenheit -, wie sie kamen, so – fielen sie!

Aber wenn jemand sich einbilden wollte, dass dieser kapitale Rüde dabei auch nur den Schimmer von Spurhalten profitiert hätte, der irrt sich ganz gewaltig. Das lange Hetzen hat ihn soweit gebracht, dass er die Nase kaum mehr verwendete, sondern die Hasen fast durchweg aufs Auge jagte. Und solche Burschen habe ich im Verlaufe der vielen Jahre gar manchen kennen gelernt.

Keiner von diesen hat aber die rühmlichen Eigenschaften angenommen, die man vom Hetzen ableitet, und was ich besonders erwähnen möchte: Je mehr die Kerle hetzten, desto rabiater wurden sie.

Soweit kommen Hunde, die man sinnlos hetzen lässt, und zwar nur deswegen, weil man behauptet, das gebe die besten Gebrauchshunde, in Wirklichkeit werden sie „unbrauchbare Fixe”, mit welchen das Jagen absolut kein Vergnügen bereitet. Aber rekapitulieren wir die Behauptungen kurz.

Geräumige Suche! – Gewiss, Hunde, die viel und ausgiebig hetzen, lernen Feld nehmen. Damit ist aber der späteren Praxis nicht gedient, wenn die Suche „systemlos” erscheint. Ich verzichte auf einen Hund, der bei der Hühnerjagd kilometerweit in den Wind sucht und mir die Deckungen links und rechts liegen lässt. Bei rabiaten Hetzern ist aber dieser Mangel an System eine ganz natürliche Folgeerscheinung, und darum ist es notwendig, die Leidenschaft einzudämmen, damit sie nicht in Zügellosigkeit ausartet. Wenn es soweit ist, hat man jede Gewalt über den Hund verloren.

Das sichere Spurhalten! – Diese Behauptung ist eine der herrlichsten Blüten, welche die „Grünetischweisheit” hervorgebracht hat. Eine Behauptung, die man nach theoretischen Voraussetzungen zu einem Lehrsatz umformte. Und dieser Lehrsatz ist einer von den vielen, die das „starre Parforcedressursystem” stützen. Das System muss daher in sich Zusammenstürzen, sobald man die Unhaltbarkeit der Behauptung zu beweisen vermag. Und dies zu vollbringen, ist eine Kleinigkeit, weil die Praxis gerade im umgekehrten Verhältnis zu diesen Behauptungen steht.

In der Regel lässt man den jungen Hund im Felde hetzen. Das Terrain ist übersichtlicher, man hat mehr Gelegenheit, den Hund zu beobachten. Aber das Hetzen im Felde ist für den Hund eine sehr verhängnisvolle Schule, denn anstatt die Nase auf den Boden zu nehmen, gewöhnen sich die meisten Hunde daran, die Augen zu gebrauchen, was nach Lage der Sache natürlich und selbstverständlich erscheinen muss. Dabei lernt der Hund „laufen und hetzten”, jedoch kein Spurhalten. Das Verhältnis ändert sich sofort, wenn man den jungen Hund im Walde jagen lässt.

Davor warnen aber die jagd- kynologischen Größen. Warum? Weil ihnen die eigenen praktischen Erfahrungen mangeln, die beweisen, dass der beschrittene Weg, den Hund des öfteren im Walde hetzen zu lassen, viel eher ans Ziel führt als das Hetzen im Felde. In der Deckung muss der Hund die Nase gebrauchen, dadurch lernt er das Spurhalten, und es wird auf diese Weise der gewollte Zweck erreicht.

Den Unterschied zwischen gesunden und kranken Hasen! Und dazu die tollkühne Behauptung: „Der Hund wird gar bald einsehen, dass er einen gesunden Hasen beim Hetzen niemals zu greifen vermag.” Was müssen das für schlafmützige Hunde gewesen sein, die die Veranlassung zu diesem Lehrsatz boten? Unsere heutigen Hunde machen die Sache umgekehrt. Infolge ihres außerordentlichen Temperamentes, ihrer angewölften Schnelligkeit und innewohnenden Jagdpassion bedarf es keiner langen Hetzerei, um den Hund dahin zu bringen, wo er jedes Interesse für den Weidmann verloren hat. Zu schnell entwickelt sich die Hetzleidenschaft zu einem Kronübel, das den Hund entwertet. Obige Behauptung ist ein glatt erfundenes Märchen, in der Praxis beweisen unsere flotten Hunde, dass sie sehr wohl in der Lage sind, „gesunde Hasen mit Erfolg zustande zu hetzen”. Sie beweisen ferner, dass es ihnen verdammt gleichgültig ist, ob der Hase gesund oder krank vor ihnen hoch wird: sie nehmen jede Gelegenheit zum Hetzen wahr, die sich ihnen bietet.

Die Individualität des Hundes entscheidet! Ein temperamentvoller Hund, dessen leidenschaftliche Veranlagung offensichtlich zutage liegt, verlangt eine andere Erziehung als der temperamentlose und schlafmützige, und daraus erklärt sich, dass das Hasenhetzen in einem Falle ebenso von Übel sein kann, wie es im anderen Falle Anlagen und Passion zu wecken vermag.

Da sich unsere Hunde ganz besonders durch Frühreife auszeichnen und die Behauptung, der Hund müsse sich bis zu seinem zehnten bis zwölften Monat „austoben”, heute Gott sei Dank als überwundener Standpunkt erscheint, so ist zu erkennen, dass das Hetzen ein wichtiges Moment der Erziehung darstellt und als solches gewertet werden muss.

Es kann also hier nicht mehr von einem „planlosen” Hetzen die Rede sein, sondern auch dieser Fall erfordert ein genaues Erwägen, Berücksichtigung und Eingehen auf das Naturell des Hundes – ein planmäßiges Handeln.

So tritt die Jugenderziehung des Hundes als ein Haupt-erfordernis an uns heran, als eine Zeitperiode, die vom ersten Moment an für den eigentlichen Daseinszweck der Hundejugend ausgenutzt werden muss, damit die schlummernden Anlagen geweckt und der Hund frühzeitig zu einer gewissen Selbständigkeit gelangen kann.

Einfach gewartet, bis er wiederkommt. Er wird weder gelobt noch getadelt: angeleint macht er einen Bummel an der linksseitigen Hosennaht, um in etwa einer Viertelstunde von neuem geschnallt zu werden. Nun kann es Vorkommen, dass er sofort wieder Anschluss an einen Hasen findet! Was dann? Natürlich wieder gewartet, bis der Hund herankommt, wobei man ihn weder lockt, noch weniger aber gute Worte gibt. Es wäre des weiteren töricht, den Hund etwa abpfeifen zu wollen, wenn er zu hetzen beginnt. Dieses Kommando bliebe ohne Wirkung, und das soll vermieden werden. Der Erzieher soll ja mit diplomatischem Geschick verstehen, seinen Be
fehlen solchen Nachdruck zu verleihen, dass sie stets zur Ausführung gelangen. Besteht diese Aussicht nicht, oder liegt die Wahrscheinlichkeit näher, dass die Passion mit dem jungen Hunde durchgeht, dann ist es viel ratsamer, auf jedes Kommando zu verzichten.

Nun kommt es lediglich darauf an: wie oft und wie lange dürfen sich diese Hetzereien wiederholen? Antwort: solange, wie das Hetzen nicht die Veranlassung zu groben Fehlern bildet. Fängt der Hund an, beim Hetzen mitten unter die Hühner zu fahren, ohne davon die geringste Notiz zu nehmen, evtl. diesen noch nachzuhetzen, hetzt er aufs Auge, leidet dadurch seine Suche, zeichnet er sich durch förderndes Gangwerk aus, dann ist es an der Zeit, das Hasenhetzen einzudämmen. Beim jungen Hunde geschieht es leicht, wenn er angeleint Reviergänge machen muss. Bei jedem aufstehenden Hasen gibt es eine kleine Korrektur, die ihn zur Ruhe zwingt, und dadurch lernt er verstehen, dass sein Herr seiner Hasenpassion absolut keine Gegenliebe schenkt. Das „Pfui Has'” wird ihm alsbald geläufig und dem Sinne nach verständlich werden, und hat man es ja in der Hand, dem Kommando Nachdruck zu verleihen.

Krah-krah-krah! Zwei Krähen streichen über uns hinweg. Paaff – die eine kommt kopfüber heruntergeschossen. Ei der tausend, welch’ eine Freude! Aber nur Ruhe! Fritz! Tom! Was ist das? Ja, dort liegt sie, aber gemacht; kommt, lasst uns jetzt ein Stück fortgehen, dort hinunter an die Waldteiche. Kommt nur, ihr Kerle, Donnerwetter, wie sie ziehen! Beide wollen auf den Rabenvögel und reißen sich schon fast die Köpfe ab.

Ruuuuuuhe! Setzt euch! So brav. Kommt, lasst uns nur noch ein Stück weiter gehen. Dort um die Ecke, dann wird einer geschnallt.

So! Nun aufgepaßt! Tom! Setz dich! Schön – apport! Wie der Teufel schießt Tom um die Ecke; Fritz zappelt vor Begierde an der Leine. Aha! Da ist er ja schon.

O, brav, mein Tom! Na, tue nur nicht gar so stolz! Hm, hm, wie er angeschwänzelt kommt. So war recht, mein Hund, so brav. Nun, natürlich habe ich etwas in der Tasche-, hier, mein guter Tom, so brav.

Fritz, was brummst du? Artig! Setzen!

Ja, ihr Brüder, diese „Spielerei” gefällt euch – mir aber auch. Und euer Schaden wird es nicht sein, zu meiner Freude!

Aber wir gehen jetzt um die Waldteiche nach der Elisabethenschneise. So, Fritz, guck einmal hierher. Sieh! Ich werfe die Krähe hinter diesen kleinen Rasenhügel. Also aufgepaßt! Ja, du Racker möchtest dich allsogleich darauf stürzen! Nein, das gibt’s nicht. Wir gehen dort über die Brücke, den Uferweg entlang und biegen in die Schneise ein.

Halt, ihr beiden Burschen! Seeetzen! Brav!

Fritz, nun aufgepaßt! Apport! Heidi, schießt er los, ruck, hat er die Krähe und überschlägt sich förmlich beim Aufnehmen, so eilig hat er es.

Ja, das ist mein braver Fritz; natürlich, Tom ist auch brav, es bedarf gar keiner so aufdringlichen Erinnerung.

Setzen! Aus! Na, Fritz, willst du die Krähe nicht hergeben? Ei, du Racker! So brav! Hier, ebenfalls ein Stückchen Zucker!

Aber nun ist Schluss! Halt, ihr Kerle, ihr sollt die Krähe nicht zerrupfen! Aus! Und schön artig!

Unermüdlich! Immer wieder wollen sie an die Krähe – ja, ja, das ist Passion – Hundejugend, wie sie sein soll!